Die Krise im Anmarsch
Angeregt durch Heide Liebmanns Mutmacher-Blogparade, hier meine verspäteten Zwei-Eurocent zur heraufbeschworenen Finanz- und Realwirtschaftskrise.
Die Sache mit dieser Rezession ist ja gar nicht, warum trifft sie uns, sondern eher warum trifft sie uns erst jetzt. Fällig war sie schon 2001 (Wem ist dot.com Blase noch ein Begriff?). Damals wurden allerdings die ersten Anzeichen einer Rezession mit soviel billigem Geld zugeschüttet, dass das Wachstum ungehindert weitergehen konnte und sie nun ihren Höhepunkt in der nicht gerade besseren Immobilienblase fand.
Diese Krise kommt also nicht aus heiterem Himmel und es gab auch genug echte Experten, die darauf hingewiesen haben. Jetzt passiert die übliche Marktbereinigung, die es nach einer solchen Hochphase schon immer gegeben hat. Die überhöhten Zinsen gehen wieder zurück, die Leute sparen wieder mehr und schränken ihren Konsum ein, in Folge dessen brechen die Gewinne der Firmen weg, Leute werden entlassen, der Konsum sinkt weiter und die Talfahrt beginnt.
Soweit die sehr vereinfachte Darstellung einer Rezession und ihrer Auswirkungen.
Ab diesen Zeitpunkt kommt es dann zu vermehrtem Auftreten folgenden Zitates: "Die Krise als Chance nutzen". Was steht eigentlich hinter diesem Zitat?
Für Firmen lässt sich dies ganz einfach erklären. Firmen, denen es in den fetten Jahren gut ging und sich der Tatsache bewusst waren, dass nach den fetten immer die mageren Jahre kommen und somit Reserven aufgebaut haben, bekommen jetzt die Möglichkeit ganz ohne teure Werbekampagnen, ihre Mitbewerber aus dem Markt zu drängen. Firmen denen es schon in den guten Jahren schlecht geht, wird es in den seltensten Fällen in den schlechten Jahren besser gehen.
Als Beispiel passt hier ganz gut die Automobilindustrie. Toyota machte bis jetzt immer gute Gewinne und musste erst, nach dem starken Verkaufszahleneinbruch, Verluste hinnehmen. Auf der anderen Seite stehen hier Chrysler und Chevrolet die jetzt schon Milliardenunterstützung benötigen, um überhaupt den Beginn der Krise miterleben zu dürfen. Wer wird hier wohl eher als Sieger hervorgehn, denn eines darf man nicht vergessen, die Leute fahren auch in einer Krise mit dem Auto und wenn jetzt auch der fahrende Fleckerlteppich 2 Jahre länger halten muss, irgendwann geben die Leute ihr Geld wieder aus. Wer dann am Ende einer Krise noch übrig ist, zählt zu den echten Gewinnern. Der Markt ist dann, wie man so schön sagt, trocken, viele Firmen mussten Konkurs anmelden und die Menschen haben einiges an Geld angespart und lechtzen geradezu nach Konsum.
Auf der anderen Seite ist die Frage, wie können Private eine Krise als Chance nutzen? Steigende Arbeitslosigkeit, sinkende Löhne und fallende Sparzinsen laden ja nicht gerade zum Jubilieren ein. Was auf jeden Fall gleich zu Beginn eingestellt werden sollte, ist das Jammern. Zum einen weils eh nichts bringt und zum anderen, weil es einer der Gründe ist warum eine Rezession überhaupt los geht. Jammern oder anders auch als 'pessimistische Beurteilung der Wirtschaftslage durch Arbeitnehmer/Arbeitgeber' bezeichnet, führt oft dazu, die schlechte Lage überzubewerten und somit die Talfahrt zu beschleunigen.
Ein Punkt der mir dazu sofort einfällt ist der Ölpreis. Nach sehr langer Zeit ist nun endlich den Spekulanten das Geld abhanden gekommen und ich kauf' Sprit und Heizöl endlich wieder zu marktbestimmten Preisen. Ich hab nachgerechnet was das für mich bedeutet. Bleibt der Preis für Heizöl und Diesel für das kommende Jahr gleich (Prognosen sprechen erst für einen Anstieg 2010), bedeutet das umgerechnet auf meine fixen Heiz- und Spritkosten eine Ersparnis von weit über 1000.-€ im Jahr und somit einen realen Gehaltzuwachs von 6% im Vergleich zu 2008. Für 6% mehr Gehalt im Jahr müsste ich meinem Chef schon mit sehr guten Argumenten kommen, egal wie es gerade um die Wirtschaft steht.
Wo die weiteren Chancen für Private liegen, ich kann es nicht sagen, noch nicht, dafür hat sich zwischenzeitlich zu wenig geändert. Derzeit existert das Meiste dieser Rezession noch auf dem Zeitungspapier und in den Köpfen, aber vielleicht wird zum jetzigen Zeitpunkt schon zuviel Schwarzmalerei betrieben. Schließlich ist das nicht die erste Rezession die es zu meistern gilt und wie uns die Historie lehrt, ist auch bei der letzten die moderne Welt nicht untergegangen.