Für eine Handvoll Dollar - Werbefrei und glücklich damit
Dass Sparen alleine noch keine Rechnungen bezahlt ist eine alte Weisheit und jeder der sein eigenes Webprojekt (Homepage, Blog, Forum, ...) betreibt, hat zumindest schon mal leise darüber nachgedacht, damit auch Geld zu verdienen und sei es nur um die Servermiete zu bezahlen. Unser Ziel mit diesem Projekt, wir geben es unverholen zu, ist nichts geringeres als die Weltherrschaft und wenn es dafür nicht reicht, zumindest so die erste Million zu finanzieren, leicht an den unzähligen und nicht vorhandenen Werbebannern und PopUps zu erkennen.
Spass beiseite, wie sieht es nun tatsächlich in der wirklichen virtuellen Welt da draußen aus, welche Möglichkeiten stecken in einem Blog? Um diese Frage zu beantworten schaut man sich am besten die Einkünfte von verschiedenen Blogs und deren geschätzen Aufwand dafür an. Eine gar nicht so geringe Anzahl von Blogs veröffentlicht nämlich ihre Einkünfte und Peer Wandiger fasst diese mit seinem selbststaendig-im-netz.de praktischer Weise auch zusammen und liefert gleichzeitig noch eine Analyse der Zahlen dazu.
Gleich mal vorweg, wirklich reich werden wenige bis gar keiner und selbst für magere 1000€ im Monat (also mager im Sinne von "davon leben müssen") ist schon ein erheblicher Aufwand und einiges an Entwicklungszeit nötig. Das größte Problem bei der Bewertung der Einnahmen ist, wie man seinen Arbeitsaufwand, sprich die aufgewendete Zeit, bewertet. Die meisten Blogs werden wohl in der Freizeit geschrieben und gestaltet, und somit sehen auch viele jeden Euro an Einnahmen als reinen Gewinn. Ganz so einfach seh ich das nicht. Für mich ist die Schreiberei momentan ein Hobby. Die Motivation kommt hauptsächich aus dem Wunsch heraus, einen halbwegs anspruchsvollen Text zu verfassen, neue Webtechnologien kennen zu lernen und als Hauptgrund, mehr Wissen anzuhäufen. Somit liegt mein monetärer Erwartungswert also bei knapp 0.- Euro. Was aber erwarte ich mir, wenn ich meine Schreiberei zu Geld machen will? Eine nicht repräsentative Umfrage unter Bekannten ergab, dass sie für eine zusätzliche Tätigkeit (die nicht ihr Hobby ist, aber trotzdem nicht als unangenehm empfunden wird) außerhalb ihres normalen Berufes, diese gern mit 15.- bis 20.- € netto die Stunde vergütet haben wollen.
Mit dieser Zahl kann ich mich gut anfreunden. Sie ist liegt oberhalb meines regulärer Stundensatzes (vor allem auch meines Überstundensatzes, der ja in Österreich mit 50%+ besteuert ist, Ole Ole!). Mit 15€ würde es sich also auszahlen am Blog zu arbeiten, anstatt diese "Freizeit" in seiner Arbeit zu verbringen.
Wie realistisch sind nun diese 15€?
Sehen wir uns mal die Besserverdiener unter den deutschsprachigen Blogs an (von denen wir es wissen). Dazu dürften sicher basicthinking.de (ungefähr 3.300€/Monat) und selbstaendig-im-netz.de ( ungefähr 1.200€/Monat) zählen.
Da es sich hierbei um Bruttoeinnahmen handeln dürfte, zieh ich mal kulanter Weise 35% Steuern ab, womit wir auf einen Nettobetrag von 2145€ und 780€ kommen.
Für diese Beträge dürften Robert Basic und Peer Wandiger nach meiner Rechnung max. 143 bzw. 52 Stunden im Monat arbeiten. Bei einem 23 Arbeitstagemonat sind das umgerechnet ca. 6h bzw. 2h täglich, recht üppig also. Ungeprüft nehme ich mal an, dass beide in etwa dieses Zeit (vielleicht auch mehr) pro Arbeitstag in ihre Blogs stecken. Auch die Artikelanzahl im Jahr 2008 von ca. 2500 (grob geschätzt) auf basicthinking.de und 478 (ziemlich genau) auf selbststaendig-im-netz.de würden das vermuten lassen.
Um solche Einnahmen erzielen zu können, benötigt es allerdings auch einiges an Entwicklungszeit und Durchhaltevermögen. Herr Basic begann vor über 5 Jahren zu blogen und Herrn Wandingers Geldmaschine feiert auch bald ihren zweiten Geburtstag.
Meiner Einschätzung nach braucht es mind. 1 Jahr, eher zwei, um in einen rentablen Einkommensbereich zu kommen, fast egal mit welchem Aufwand man sein Blog in dieser Zeit betreibt. David Gornickel von geldkrieg.de musste diese Erfahrung machen. Sein Ziel war es, innerhalb eines Jahres 1000$ im Monat mit seinem Blog zu verdienen. Nach 8 Monaten erreichte er immerhin schon 400$/Monat, eine stolze Zahle für eine so kurze Zeit wie ich meine. Für diese 400$ investierte er aber durschnittlich 4 Stunden pro Tag, was bei bei 23 Arbeitstagen im Monat, fette 4,23$ Stundenlohn bedeuten, nicht gerade spektakulär. Selbiges dachte sich übrigens auch David Gornickel und beendete mit Dezember 2008 sein Blogexperiment.
Welche Schlüsse ziehe ich jetzt aus der ganzen Geldmacherei im Netz: Geld lässt sich natürlich im Netz verdienen. Mit einigem Initialaufwand, Durchhaltevermögen und Spass an der Sache (dazu noch Werbebanner, Werbepartner, Affiliates, SEO Optimierung, aktives Teilhaben an der Community und all die schönen Dinge die einem von "Jetzt werd ich reich"-Webseiten im Netz erklärt werden) stellt sich auch irgendwann die Rentabilität dafür ein. Meiner Einschätzung nach allerdings eher später als früher. Wem von Beginn an die Dollarzeichen in den Augen leuchten und glaubt mit Bloggen das große Geld zu machen, der wird wohl innerhalb eines Jahres eine andere Meinung darüber haben. Der Ratschlag von "Wie werd ich reich"-Experten lautet ja auch "mache dein Hobby zum Beruf" und nicht "mache irgendwas zum Geldverdienen zu deinem Hobby".
Irgendwann werden wir (also die zwei einsamen Seelen die das 15. Gehalt betreiben) mit diesem Blog wohl die Weltherrschaft erlangen, bis dahin überlassen wir gern die entgangenen Werbekrümmel der Bloggemeinde dort draußen und erlauben unseren bis dato 500 Lesern im Monat, einen werbefreien Blick auf die Sicht der Dinge... oder so ähnlich.
(P.S.: Wir würden uns speziell bei diesem Artikel sehr über Kommentare freuen. Egal ob Lobeshymne oder Diffamierung unserer Weltanschauung, Hinweis auf Denk- oder Recherchefehler, oder einfach ein Verbesserungsvorschlag für unseren Weltherrschaftsplan. Herzlichen Dank!)
Herzlichen Dank für diesen Artikel!! Ich habe seit kurzem die große Welt der Blogs für mich entdeckt und dachte auch schon daran ein solches Projekt (besonders wg. der Möglichkeit Geld damit zu verdienen) zu starten. Die Summe, die einige Seiten im Monat umsetzen, hört sich auf den ersten Blick äußerst verlockend an - beachtet man jedoch den "Stundenlohn" so wendet sich das Blatt. An den betriebenen Aufwand dieser Blogs wird im ersten Moment nämlich nicht gedacht...
Schöner Artikel, auch die Werbefreiheit gefällt mir. Denn mal ehrlich, solange die Besucherzahlen sich noch im Rahmen befinden (< 1000 täglich) reicht ein spottbilliges Hostingpaket für 5 Euro im Monat - und wenn man Bloggen als Hobby betrachtet, ist das doch einigermaßen günstig. Da muss man imho nicht unbedingt das letzte Quäntchen Monetarisierung durchprügeln. Irgendwann bietet's sich dann wiederum an, wenn die Visits für nennenswerte Einnahmen reichen.
@Jan
Meine Rede, wobei ich glaube das besagter Rahmen schon früher beginnt. Ich würd bei ca. 10.000 Besucher im Monat mal darüber nachdenken, bevor ich unseren geschätzen Leser Werbung antue. Die Kosten fürs Hosting spielen dabei fast keine Rolle. Meine liebste Freizeibeschäftigung (Inlinehockey) kostet mich jährlich 600-700€ (Ausrüstung, Trainingslager, Mitgliedsbeitrag...) und unzählige Turnierwochenenden, da fallen die paar Nätsch für den Server auch nicht ins Gewicht.
@Andreas Schweitl
Eben. Was ich noch geschrieben haben wollte: Solange man tatsächlich auch noch hauptberuflich arbeitet, sind die 5 Euro nen Witz. Und ne Pizza beim Lieferservice ist teurer.
Die 1000 Besucher waren auch eher auf die Leistungsfähigkeit des Hostingpakets bezogen denn auf eine lohnende Monetarisierung, dafür liegt die Grenze wohl wirklich deutlich niedriger.
Inlinehockey klingt spannend
Schönes Beitrag. Ich persönlich glaube, dass man mit Blogs auch wesentlich mehr verdienen kann. Nur behalten diejenigen, die wissen wie ihr Wissen eben lieber für sich
@Jerome
Ob tatsächlich wirklich wesentlich mehr mit deutschsprachigen Blogs geht, bin ich mir gar nicht so sicher. basicthinking führt bzw. führte quasi jedes Blogranking für den deutschsprachigen Raum an, allerdings bin ich schon der Meinung, dass mit "Zusatzprodukten" wie z.B ebooks noch um einiges mehr drin ist.
Klasse ... Beitrag geschrieben, JS deaktiviert gehabt, reCAPTCHA nicht gesehen und jetzt ist der Kommentar weg. Jippieh.
Dann halt nochmal in Kurzform: Ich finde, dass du das gut zusammengefasst hast!
Allein die Tatsache, dass "Geld verdienen mit Blogs im Internet" zum Trend geworden ist zeigt ja, dass viele Leute gar nicht verstehen, dass es Durchhaltevermögen und Disziplin braucht, um irgendwann wirklich erfolgreich zu sein!
@Benni
Danke für deinen Kommentar und vorallem Danke für den Hinweis wegen reCAPTCHA. Wir hätten es nämlich schon getestet wie sich reCAPTCHA ohne aktivierten JS verhält, allerdings nur auf der Kontaktseite und dort kommt auch der Hinweis, dass man Kommentare nur mit aktivierten JS schreiben kann.
Ich denke es macht auch viel aus das man Erfahrungen mit den Einnahme Möglichkeiten in Blog wichtig sind, da ist es dann egal ob es nur 5,-$ sind oder 300,-$. Da doch jeder über ein anderes Thema blogt, wenn man nicht gerade der Masse hinterher läuft.
Es ist sehr schwer heutzutage dein Blog werbungsfrei zu halten.. wenn manchmal du mit Werbung Geld verdienen kannst.
@Ursula Degner
), als 10 Lückenfüller täglich.
Klar, man kann selbst mit nichts auch noch ein paar Dollar machen, aber wenn ich schon Werbung reinpacke, dann soll es sich auch auszahlen.
Mir ist vom Gefühl her auch lieber, ich schreibe einen qualitativen und gut recherierten Artikel im Monat(schön wärs wenn ich zumindest auf diese Frequenz kommen würde
Das Netz besteht einfach bereits aus soviel Blödsinn, dass man fast schon heraussticht, wenn man keinen Mist verzapft.